Rund 70 % der Zahnerhaltung läuft über Zahnprophylaxe und gute Mundhygiene. Doch die meisten Menschen sind sich nicht bewusst, wie wertvoll gesunde Zähne sind. Der Frankfurter Zahnarzt Dr. Wolfgang Kuhl plädiert für eine Bewusstseinsschärfung von Jugend an und für regelmäßige „Inspektionstermine“ beim Zahnarzt.

Welche Einflussfaktoren bestimmen die Lebensdauer der Zähne?

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Den größten Einfluss hat mit 70% bestimmt jeder selbst, indem er sich gut um seine Zähne kümmert. Zum einen, dass er seine tägliche Mundhygiene perfektioniert, zum anderen, dass er kleine Defekte sofort in Ordnung bringen lässt, bevor größere Folgeschäden entstehen können. Weitere 20% bestimmt der Zahnarzt durch entsprechende Pflege und Qualität seiner Arbeit, und ein zehnprozentiger Anteil ist auf gute erbliche Anlagen zurückzuführen.

Was raten Sie Patienten, bei denen schon etliche Zähne fehlen und die Kau- und Sprachfähigkeit deutlich eingeschränkt ist?

Wir leben heute in einer Zeit, in der es medizinisch möglich ist, sicher funktionierenden und ästethischen Zahnersatz anzufertigen. Je länger damit gewartet wird, umso schwieriger und teurer wird dieser jedoch. Sind die Zähne erst wieder hergestellt, gilt auch hier, dass die sehr gute Pflege der wichtigste Faktor für lange Haltbarkeit ist.

Was muss sich in Zukunft ändern?

Es wird ein anderes Verhältnis zwischen dem Zahnarzt, der professionell die Zähne pflegt und wiederherstellt, und seinem Patienten entstehen müssen. Eine Partnerschaft sozusagen, in der der Zahnarzt die Verantwortung hat, jegliche Möglichkeiten in Prophylaxe und Pflege zu leisten. Der Besuch beim Zahnarzt ist dann mit einer Inspektion vergleichbar.

Gibt es Menschen mit Zähnen ohne Mängel?

Im Alter zwischen 13 und 15 Jahren haben Jugendliche heute häufig einen kariesfreien Zahnzustand. Jetzt ist es an der Zeit, die oben genannte Partnerschaft einzugehen, denn die Zähne müssen ein Leben lang halten.

Lässt sich der Wert, den der Mensch durch mangelnde Zahn- Prävention aufs Spiel setzt, beziffern?

Wenn heute ein Zahn mit einer hochwertigen Krone versehen wird, kostet dieser ca. 850.- Euro. Bei 28 Zähnen haben wir einen Wert von 25.000 Euro von der Natur mit bekommen. Dies noch drastischer formuliert: Wenn heute ein Zahn mit einem Implantat und einer Krone darauf ersetzt wird, ist das ein Wert von ca. 3.300 Euro. 28 Zähne hätten also einen Wert von ca. 100.000 Euro. Jetzt stellen Sie sich vor, Sie kaufen Ihrem Kind mit 18 Jahren nach bestandener Führerscheinprüfung ein Auto für 100.00 Euro – z.B. ein Porsche – mit der Maßgabe, es müsse ein Leben lang halten. Wie sähe hier im Vergleich die Pflege und Wartung des Wagens aus!?

Was ist Ihrer Meinung nach die Ursache, dass es nicht so funktioniert?

Wir haben es schlicht und einfach nicht gelernt. Weder von unseren Eltern, noch in der Schule, noch im Fernsehen. Hier besteht eine große Aufgabe für die Zukunft, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was wir von der Natur aus mitbekommen, haben.

Wie könnte ein solche Bewusstseinsschärfung in der Praxis aussehen?

Sobald der Patient eingesehen hat, dass professionelle Betreuung notwendig ist, wird er in regelmäßigen Abständen, etwa alle 6 Monate, zum Check-Up und zur professionellen Zahnreinigung in die Praxis kommen. Falls hier die Notwendigkeit besteht, kümmert sich der Zahnarzt um die Terminierung und Einhaltung der „Inspektionstermine“ – vergleichbar mit der regelmäßigen Autowartung.

Welchen Rat geben Sie uns mit auf den Weg?

Geben Sie Ihrem inneren Schweinehund keine Chance. Sobald sie eine Unregelmäßigkeit an Ihren Zähnen feststellen, lassen Sie sie von Ihrem Zahnarzt überprüfen und falls notwendig in Ordnung bringen. Gehen Sie zum Zahnarzt, bevor Zahnschmerz Sie dorthin bringt, damit gesunde Zähne mit 80 keine Utopie mehr sind.

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